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Waging 2017

veröffentlicht um 07.11.2017, 09:57 von T F   [ aktualisiert: 09.11.2017, 13:56 ]

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und warmes Wetter...leise plätschernde Glitzerwellen, durch die der Bug unseres Rennbootes pflügt- so haben wir den Ruperti-Pokal 2015 auf dem Waginger und Tachinger See in angenehmster Erinnerung.

Dass dieses Jahr der Herbst seine stürmische und kalte Seite zeigt, stört uns erstmal gar nicht, als wir uns frohen Mutes am Renntag auf den Weg zum See machen. Die Besatzung unseres Vierers dieses Jahr besteht – bis auf mich, die Steuerfrau - aus durchweg sturm- und wettererprobten Sportsleuten - dass sich das noch als sehr wertvoll erweisen soll, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt in keinster Weise.

Die Besatzung, das sind Tilmann Domzig (unangefochtener RVAT-Ruderkilometer-Rekordhalter und absolutes Konditions-Viech) auf Schlag, Stefan Seethaler (Donau-Delta-Bezwinger auf dem Stand Up Paddle Board mit nicht weniger Ruderkilometern und Kondition als Tilmann) auf Co-Schlag, gefolgt von Thomas Dresel (früherer Eichkranz-Vizemeister und Ruderrecke aus Mannheim) und Albert Hager im Bug (543km-Trondheim-Oslo-auf-dem-Rennrad-im-Renntempo-Absolvent und topfitter Neu-Rennruderer). Ich, Anna (leidenschaftliche Ruderin und absolutes Mädchen in Bezug auf Sturm und hohe Wellen), habe die Ehre, das Heldenboot zu steuern.

Auch in diesem Jahr besteht der Ruperti-Pokal – seit 2016 offizielle Regatta des Deutschen Ruderverbandes - aus Wertungen für Renn- und Gigboote. Während Letzere die komplette Länge der beiden Seen (19 km) mit zwei Wenden zu absolvieren haben, liegen vor uns 8 km durch den Waginger See mit Rennwende nach der halben Distanz.

Um 11.00 Uhr geht eine leicht fröstelnde, aber vorfreudige Crew zum Warmfahren aufs Wasser. Schon während der 30 Minuten bis zum Start wird uns klar, dass das Rennen in diesem Jahr eine wesentlich “welligere” Angelegenheit werden wird als 2015. Mit uns machen sich dann pünktlich um 11.30 Uhr vier weitere Boote aus Waging, Regensburg, Weißenfels und Passau auf den Weg, dem See die Stirn respektive den Bug zu bieten.

Der Start gelingt bestens und bereits nacht wenigen hundert Metern liegen wir, gemeinsam mit dem Mix-Boot aus Waging, weit vor dem restlichen Feld. Die Freude über die gute Rennposition weicht jedoch mit zunehmender Entfernung vom Start einem leicht mulmigen Gefühl, denn nun beginnt der kleine See, seine wilde und rauhe Seite zu zeigen. Komplett verhüllt in wetterfeste Klamotten brülle ich meine Kommandos tapfer gegen den Wind und werde dafür mindestens alle zwei Ruderschläge mit 10 Litern brechender Welle im Gesicht bedacht. Meine Crew zieht den erhöhten Rennschlag ohne ein Wort des Klagens weiter durch und ich bin mir sicher, dass sich der Gesichtsausdruck meiner vier tapferen Ruderer nahtlos in den der Helden einreihen würde, die mit Elefanten die Alpen oder mit Holzschiffen den Atlantik bezwungen haben.

Auch unser Boot, die Rottach-Egern, stellt sich mit maximal breiter Rennboot-Brust den heranrollenden Wellen. Die Seitenwände des Bootes sind jedoch zu niedrig, um die Wassermassen dauerhaft abzufangen und so bringt uns jeder Ruderzug nicht nur der Wende näher, sondern auch immer mehr Wasser ins Boot. Die Rennwende gelingt unter diesen Umständen mehr als perfekt und wir bringen uns auf gleicher Höhe wie das Waginger Boot für die Rückfahrt mehr als gut in Position.


Doch nun schlägt der See richtig zu. Hatte ich bisher nur die Füße im Wasser, beginnen jetzt sämtliche Gegenstände im Boot, auf mich zuzuschwimmen und der Pegel des Sees rückt unseren Auslegern immer näher. Schließlich bleibt uns nichts anderes übrig, als so weit wie möglich ans Ufer zu fahren und das Tempo komplett rauszunehmen. Erst Tilmanns Versicherung, dass das Boot gar nicht komplett untergehen kann, beendet meine eher unguten Überlegungen, wie weit ich mich wohl schwimmend in meiner wetterfesten und jetzt komplett durchnässten Kluft fortbewegen kann. Leider ist zu keinen Zeitpunkt das vom Waginger Ruderverein beauftragte Rettungsboot der DLRG zu sehen und das vom Regattaleiter verordnete mitzunehmende Mobiltelefon funktioniert unter Wasser auch nur sehr bedingt. So durchmessen wir viel zu tief im Wasser liegend Kilometer für Kilometer. Nachdem ich irgendwann mit einer Trinkflasche angefangen habe, Wasser aus dem Boot zu schöpfen, taucht doch in der Ferne tatsächlich die Start- und Zielboie auf und in uns erwacht der Kampfeswille. Die Lokalmatadoren sind – offensichtlich mit so gut wie keinem Wasser im Boot - uneinholbar vorn und weg. Wir aber haben trotz der widrigen Umstände unseren zweiten Platz gehalten und sowas von mehr als verteidigt. Schließlich kreuzen wir die Ziellinie und landen, sacknass und völlig durchfroren, aber mit einem Gefühl wie Kolumbus in Amerika am Steg an. Was ein Rennen, was ein Gefühl, das als Mannschaft geschafft zu haben und nicht abgesoffen zu sein. 

Nach einer langen heißen Dusche und diversen verspeisten Rinderbraten und sonstigen Leckereien geht es uns wieder richtig gut und ich kann doch eine entspannte Zufriedenheit in den Gesichtern meiner Crew erkennen. Leider hat der Fakt, eine nicht steinalte, nur aus männlichen Ruderern bestehende Mannschaft zu sein, zur Folge, dass wir mit nur wenigen Bonuspunkten versehen werden und so in unserem Rennen in der bereinigten Wertung um zwei Plätze nach hinten rutschen. Aber wer braucht schon Bonuspunkte und bereinigte Rennwertungen, wenn man das Gefühl in sich hat, mit einem grandiosen Team eines der (gefühlt absolut) härtesten Ruderrennen ever (!!!) bewältigt zu haben. 

Männer, ich bin stolz auf Euch und uns, großartig war’s (so im Nachhinein)! Und Waging und der Ruperti-Pokal? Nie wieder ohne Elektro-Pumpe!

Rudersportliche Grüße,

Anna