2026-09-13 Traversee de Paris

Die Traversée de Paris ist ein Großereignis. Pariser Clubs verleihen ihre Boote an auswärtige Ruderer, viele bringen ihr eigenes Boot aus Holland, Deutschland oder den anderen Regionen Frankreichs in die Stadt. Der 28 km lange Parcours führt vom Ruderzentrum im Westen der Stadt auf der Seine bis zur Ile de la cité und Ile de Saint Louis, die umrundet werden, bevor es dann wieder zurück geht. 2026 fand dieses „Ruderfest“ zum 41. Mal statt. Insgesamt wurden 1300 Teilnehmer:innen in 269 Booten erwartet.

Marlene und ich trafen den Rest unserer Mannschaft vom MRSV Starnberg am Samstagnachmittag am Sandplatz des Parc nautique de l’ile de monsieur, wo unser Boot zum Aufriggern schon bereitlag, zusammen mit ungefähr 50 anderen. Wir meldeten uns am Tresen an, wo ein freundlicher Ruderkollege uns auf seiner Liste abhakte und dafür lobte, dass wir wirklich (wie in der E-Mail erwähnt) unser Werkzeug mitgebracht hatten.

Vor der Halle, in der wir die Startnummer abgeholt hatten, war ein Musterboot aufgebaut, damit es alle verstehen: Skulls sollen zum Bootstransport eingelegt sein, Schöpfgefäß für die Steuerfrau, Startnummer für die Bugfrau, sehr anschaulich. Und trotzdem erklärte uns eine der unzähligen Freiwilligen in grünen T-Shirts mit großer Geduld und Freundlichkeit, was alles zu beachten wäre.

Der Abend klang in einem französischen Restaurant um die Ecke aus, wo das vegetarische Essen „Fisch“ war. Wir mussten früh ins Bett, denn das Frühstück war für 5:30 angesetzt. Es gab Croissants, Pain au chocolat und Kaffee, für 1300 Leute und 150 Freiwillige, alle waren fröhlich und aufgekratzt.

Um 6:15 waren wir am Boot, es war noch dunkel, und dann ging es Schlag auf Schlag. Ein Helfer kam mit einem Bootswagen – hebt an – und wir reihten uns in die Schlange zum Steg ein. Alle paar Sekunden wurde ein Boot zu Wasser gelassen – Mannschaft rein, Skulls aufs Wasser – um 6:30 waren wir auf der Seine. Wir dümpelten im Morgengrauen fröhlich vor uns hin, es wurde naturgemäß immer voller und enger, die Strömung trieb uns ein kleines bisschen zurück, wir korrigierten, plauderten, sagten Hallo zu den Nachbarn, attention, pardon, excusé. Wir hielten uns an den Bojen und den Nachbarn fest und warteten auf den Startschuss um 7:15.

Dann war es so weit, es dämmerte noch ein wenig, als Glitzerfontänen von der Brücke strahlten und das Signal ertönte.

Meine Mannschaft legte sich ordentlich ins Zeug, für Zuspätkommer war angedroht, dass diese nicht um die Ile de la cité fahren, sondern vorher umdrehen müssten. Um 11:15 sollte das letzte Boot zurück sein, bevor der motorisierte Verkehr wieder auf der Seine fahren durfte.

Paris zog zügig an uns vorbei, schnell waren wir am Eiffelturm, und ich hatte Mühe, mich bei den insgesamt 33 Brücken, die ich zur Orientierung nutzen wollte, nicht zu verzählen. Ich versuchte, die Gebäude am Ufer zu erkennen, das Musée D‘Orsay war einfach, ich wusste, dass wir am Louvre vorbeifahren würden, erkannte ihn aber nicht, und so musste ich dann doch technische Hilfsmittel nutzen, um mich zu orientieren. Vor der Ile de la cité war das Feld dann schon so aufgelockert, dass wir bequem an Sainte Chapelle und Notre Dame vorbeirudern konnten. Die Kaimauern sind allerdings wirklich hoch, oder war der Wasserstand so niedrig? Vom Wasser aus sahen wir nur die obere Hälfte der Kirchen.  Nach der Umrundung der Innenstadt wechselten wir am Steuer, machten ein kleine Pause und ruderten dann völlig entspannt mit leichter Strömung zurück zum Ruderzentrum, wo wir um 10:15 eintrafen.

Aussteigen, das Boot wurde uns förmlich unter dem Hintern weg aus dem Wasser gezogen und zurück zum Abriggern gefahren. Erneutes Lob für unser Werkzeug, alle Schrauben verstaut, Haken auf der Liste. Das Komitee hatte eine Paella-Kochtruppe organisiert, die in riesigen Pfannen das Mittagessen vorbereitete. Der Duft verbreitete sich über den ganzen Platz, und dann gab die Chefin, die mit einem Löffel zum Verkosten von Pfanne zu Pfanne gegangen war, den zweiten Startschuss des Tages. Pro Boot gab es eine Flasche Wein (rot oder weiß?), gemütlich saßen wir mit den anderen Mannschaften an den Tischen und ließen es uns schmecken.

Wir hatten noch genug Zeit, im Hotel zu duschen, bevor wir uns mit dem TGV wieder auf den Weg nach Hause machten.

Merci, Paris! Es war ein wunderbares Erlebnis, perfekt organisiert, und das riesige Aufgebot an Freiwilligen und ihre Freundlichkeit waren berührend.

Yukiko

Bilder: David, Jens, Simone, Yukiko