2026-10-03 Frankfurt

Zur letzten Wanderfahrt des Jahres hatte Christian S., der sich in mehreren Rudervereinen engagiert, eine bunte Mannschaft – oder vielleicht sollte man besser sagen: Frauschaft – zusammengestellt. 9 Frauen aus Tegernsee, Wien, Frankfurt und vom Bodensee verbrachten zwei vergnügliche Tage auf dem Main und an Land.

Der Ruderclub Nassovia Höchst liegt etwa 8 Kilometer westlich des Stadtzentrums. Eine alte Stadtmauer mit Tor aus rotem Sandstein, die älteste Kirche Frankfurts, der Bolongaro-Palast, ein schmucker Schlossplatz mit alten, schiefen Fachwerkhäusern, wo wir am Freitag Abend im Gasthaus zum Schwan feinen Handkäs mit Musik und gekochte Eier mit köstlicher Grüner Soße essen und unseren ersten Äppler (= Äppelwoi = Apfelwein) aus dem Bembel trinken – das ist die eine Seite von Höchst. Die andere ist ziemlich großstädtisch und ein bisschen heruntergekommen. Fröhliche Musik auf der Straße, Sprachengewirr, Import-Export-Läden, ein großes Döner- und Baklava-Angebot, Spätis und eine Bar am Fluss, in der nur alkoholfreie Cocktails ausgeschenkt werden.

Der Main liegt von all dem unbeeindruckt in schönen Schleifen da, als am Samstag der Sonnenaufgang alles in dramatisches Licht taucht. 

Wir treffen uns am Verein und teilen die Boote ein, gemischt natürlich! Bereits die ersten 2,5 km bis zur Griesheimer Schleuse wird fröhlich erzählt und gelacht. Nachdem wir lange auf die Schleusung warten müssen, wird es dann doch ein bisschen kalt im Boot. Gerade als die ersten von ihrem Croissant abgebissen haben, dürfen wir in die Schleuse einfahren, und es bleibt keine Zeit zum Weglegen des Gebäcks. Aber zum Glück haben die anderen auch keine Hand frei, um diesen lustigen Anblick zu dokumentieren. Danach rudern wir umso beschwingter, und obwohl wir stromaufwärts fahren, sind wir flott unterwegs.

Wir folgen dem Main in Richtung Innenstadt, und nach und nach tauchen hinter den Brücken die Hochhäuser der Banken und Versicherungen auf. Nach der EZB kommt rechterhand das sogenannte Rudererdorf, wo fünf Vereine ihre Stege am Wasser haben. Von deren Mitgliedern hatten wir unterwegs schon einige getroffen, und hatten dabei den Eindruck, dass Dagmar, die wirklich viel auf dem Main unterwegs ist, praktisch alle mit Namen kennt!

Nach einer Pause im Sonnenschein machen wir uns auf den Rückweg, jetzt mit leichter Strömung. Wir passieren den „Gerippten“, ein Hochhaus im Stil eines Äppelwoi-Trinkglases und nehmen jetzt in Griesheim die schmalere Sportboot-Schleuse. Andrea steigt aus und muss dann erstmal so lange auf den Knopf drücken, bis genug Wasser für uns in die Kammer strömt. Wir fahren ein, es ist sehr eng. Unsere zwei Vierer passen zwar versetzt hinein, aber an einer Seite ist die Schleusenwand, auf der anderen das andere Boot, und zum Stabilisieren taugen die Blätter auf dem Wasser kaum: kein Platz. Also heißt es gerade sitzen und abwarten, bis der Spiegel wieder abgesunken ist. Andrea bekommt ein dreifaches Hipp-Hipp-Hurra, keiner ist nass geworden, erleichtert legen wir die letzten Kilometer zum Verein zurück.

Nach dem Turbo-Duschen im Hotel bringt uns die Tram in die teilweise erst kürzlich wieder nach historischem Vorbild rekonstruierte Altstadt, wo wir uns den Römer (das Rathaus), die hübschen Gässchen und Plätze ansehen und vor einer der Weinstuben einen Aperitiv nehmen. Wir besuchen den Dom und gehen über die Alte Brücke nach Sachsenhausen, wo wir in einer Apfelwein-Gaststätte im Gastgarten zu Abend essen.

Am Sonntag steht keine Schleusung an, wir fahren in die andere Richtung flussabwärts, und noch in Höchst wird es sehr industriell: Kräne, Schrott, Fabrikgebäude. Aber dann wechselt die Szenerie, es wird wieder ländlich, auf der gegenüberliegenden Seite fast idyllisch. Kurz vor der Schleuse passieren wir ein paar Angler, die auffällig kräftig an ihrer Angelschnur ziehen, und dann sehen wir den Fisch, der dranhängt: ein wirklich großes Exemplar, das unter Jubelschreien aus dem Wasser gezogen wird. Wir wenden vor der Schleuse und lassen uns den Fisch nochmal zeigen, der uns natürlich freudig präsentiert wird: ein fast drei Meter langer Wels. Nachdem die Angler uns versichert haben, dass sie unsere Hilfe zum Verzehr desselben nicht benötigen, rudern wir zurück zum Verein. Eines der Boote macht noch einen kleinen Abstecher zur Griesheimer Schleuse, damit die 25 km für den heutigen Tag erreicht werden.

Nach ein paar Käsewürfeln, alkoholfreien (!) Drinks und dem leckeren Kuchen, den Dagmar mitgebracht hat, verabschieden wir uns. Ein sehr fröhliches, kommunikatives und lehrreiches Wochenende liegt hinter uns! Wir alle haben von Christian so viel über Frankfurt und seine Geschichte erfahren, wissen jetzt, wie eine Pimpernelle aussieht (Bestandteil der Grünen Soße) und haben ein paar Worte Schweizerdeutsch gelernt. Meine Favoriten: „Damenrüschli“, „Schnäbiboot“ und „Föteli“ (Letzteres wurde immer gerufen, wenn ein Fotostop einlegt werden sollte). Herzlichen Dank an Christian für die super Organisation und an die Kolleginnen im Boot! Ob wir so eine Fahrt nochmal wiederholen? Ich würde sagen: Luegt guet us!

Yukiko

Photos: Andrea R., Andrea G., Natalie, Yukiko

Blick auf den Main von unserem Hotelzimmer
Der "Gerippte"
Föteli!
Blick auf die EZB vom Rudererdorf
Am Römer, dem Rathausplatz
Abendstimmung an der Großen Brücke